Die Weihnachtstraditionen in Europa

 
 

Weihnachten

 
Die Etymologie und der diesem Fest verliehene Name sind je nach Land unterschiedlich. So hat das französische Wort Noël seinen Ursprung zweifelsohne im lateinischen natalis (Geburt). Das angelsächsische Christmas leitet sich aus den von den englischen Verkündern des Evangeliums im Dezember abgehaltenen Christmessen ab und die Heilige Nacht spiegelt sich im deutschen Weihnacht wieder...
Dieses in den letzten Dezembertagen stattfindende Fest wird nicht in allen Ländern Europas in gleicher Weise begangen. In Europa gibt es zahlreiche Weihnachtssymbole, wobei jeder Staat seine Identität und seine Traditionen bewahren, sich aber auch durch viele Einflüsse bereichern konnte. Diese Vielfalt und der immense Reichtum an Traditionen zeugen von dem Stellenwert, den das Weihnachtsfest in der europäischen Vorstellung einnimmt.
Hier einige Beispiele...
 

Advent mit Adventskranz und Adventskalender…

 
Couronne de l'AventDer Advent entspricht dem vierwöchigen Zeitraum vor der "Ankunft" (adventus im Lateinischen) des Jesuskindes, sprich den vier Wochen vor Weihnachten. In einigen deutschen Regionen beginnt der Advent bereits mit dem Heiligen Martin am 11. November. In den katholischen Bundesländern werden in diesen vier Wochen verschiedene Heilige geehrt (der Heilige Martin, die Heilige Katharina, der Heilige Eligius, die Heilige Barbara, der Heilige Nikolaus oder auch die Heilige Luzia).
 
Der Adventskranz

Der Adventskranz - aus Tannenzweigen geflochten und mit vier Kerzen besteckt - soll die vier Jahreszeiten darstellen. Er entstand erst spät in den evangelischen Regionen Deutschlands. Er trat dann seinen Siegeszug durch Skandinavien an, bevor er sich auch in zahlreichen anderen Ländern ausbreitete. Die Kerzen werden an jedem Adventssonntag nacheinander angezündet (am 1. Sonntag eine, am 2. Sonntag zwei usw.).

Der Adventskalender

Der Adventskalender ist eine Tradition deutscher Herkunft und soll den Kindern helfen, sich bis zum Weihnachtsfest gedulden zu können. Damit das Warten nicht so lang erscheint, erhalten die Kinder Anfang Dezember einen Adventskalender mit 24 kleinen Türchen. Jeden Tag öffnen sie eines davon. Die letzte Tür wird am Weihnachtstag geöffnet, kurz bevor der Weihnachtsmann kommt. Ursprünglich verbargen sich hinter den Türchen fromme Bilder, die heute durch kleine Leckereien ersetzt werden. Den ersten Adventskalender gab es 1851.
 

Der Tannenbaum

 
sapin de Noël de la Place KléberDie Tanne, die - wie der Efeu und die Stechpalme - auch in der kalten Jahreszeit grün bleibt, zeugt vom Fortbestehen des Lebens. Im Elsass taucht diese Tradition erstmals im 16. Jahrhundert auf. Aber bereits ab dem 11. Jahrhundert scheinen die Häuser "mit Grün von den Bäumen" geschmückt worden zu sein. Sehr bald schon wird die Tanne mit verschiedenen Dekorationen und Kerzen geschmückt, die dann zu Weihnachten angezündet werden. In Ungarn beispielsweise wird der Baum mit Keksen, kleinen Leckereien und Schokolade dekoriert, die dann ab dem 24. Dezember gegessen werden. Dabei wird aber darauf geachtet, das bunte Verpackungspapier am Baum zu lassen, um der Tanne nicht ihren Schmuck zu nehmen.
Im 18. Jahrhundert erlangt die Tanne in ganz Deutschland Bekanntheit und dehnt sich dann in zahlreiche Länder - wie Italien und Spanien - verschließen sich lange Zeit dieser Tradition. In Griechenland gibt es keine Tanne. Die Menschen dort züchten aber eine Christrose, Helleborus genannt.
 

Die Krippen

 
Crèche, Sapin de Noël de la Place KléberDie Krippen entstanden in Italien und nahmen dann eine stürmische ENtwicklung in den Ländern des katholischen Lateineuropas (Spanien, Portugal), nach dem 13. Jahrhundert aber auch in Frankreich und Süddeutschland. Sie lassen das Andenken an die Geburt Christi fortbestehen. Seit dem hohen Mittelalter werden in Kirchen Krippen aufgestellt und am Weihnachtsabend werden liturgische Spiele (Krippenspiele) organisiert. In einer Höhle oder in einem einfachen Stall dargestellt, findet die traditionelle Krippe nach und nach auch in den Häusern der Gläubigen ihren Platz. Allerdings werden dort lediglich die Hauptpersonen verkörpert: Das Jesuskind, Maria, Josef, die Hirten, die Heiligen Drei Könige, der Engel Gabriel und natürlich Esel und Kuh. In einigen Ländern ist es jedoch Tradition der Darstellung der Geburt Christi noch andere Figuren zuzuordnen. Dies ist vor allem in Polen der Fall, wo den Krippenfiguren Nationalhelden, ebenfalls dargestellt durch kleine Figuren, beigestellt werden. Aber auch im Süden Frankreichs, wo der Marseiller Jean-Louis Lagnel im 18. Jahrhundert kleine bunte Tonfiguren erfand, die "die kleinen Leute" Südfrankreichs verkörpern sollten und mit der Darstellung der Geburt Christi verbunden sind. Es handelt sich hierbei um die sogenannten santons de Provence, die seither einen großen Erfolg zu verzeichnen haben.
 

Weihnachtsmärkte

 
marchés de Noël de StrasbourgDer Ursprung der Weihnachtsmärkte reicht in das Mittelalter zurück. die ältesten Weihnachtsmärkte sind die von Wien in Österreich und von München in Deutschland. 1570 gab es in Straßburg den ersten Weihnachtsmarkt. Der Christkindelmärik (Christkindelsmarkt) hat sich bis heute erhalten. Weihnachtsmärkte bieten die Möglichkeit zahrleiche kulinarische Köstlichkeiten, aber auch Weihnachtsdekorationen, Krippen und verschiedene handwerklich gefertigte Gegenstände zu entdecken. Sie verleihen den Städten in Erwartung der Weihnachtstage ein festliches Aussehen.
 

Weihnachtsgeschenke

 
Marché de Noël de StrasbourgBereits in der Antike beschenkten sich die Römer aus Anlass der Saturnalien (Festlichkeiten zu Ehren des Gottes Saturn, die im antiken Rom zur Wintersonnenwende begangen wurden). Egal ob anlässlich des Heilige Nikolaus oder des Heiligen Basilius, zu Weihnachten, zu Neujahr oder auch zu Epiphanias - wir haben die Tradition des Beschenkens beibehalten. Aus dem Begriff strenae der Römer wurde in Frankreich das Wort étrennes (Weihnachtsgeschenke).
 

Sankt Nikolaus

 
Marché de Noël de Strasbourg : maenelesIn den Niederlanden wird der Heilige Nikolaus (oder Sinterklaas) am 5. Dezember gefeiert. Dieses Fest ist dort noch viel wichtiger als Weihnachten. Selbst im Fernsehen wird sein Eintreffen immer wieder gezeigt! Man sagt, Sinterklaas lebt in Spanien und verbringt dort einen Großteil des Jahres damit, das Verhalten der niederländischen Kinder aufmerksam zu beobachten. Knecht Ruprecht (oder Zwarte Piet), sein Diener, ist seinerseits damit beauftragt für artige Kinder Geschenke vorzubereiten. An Bord eines Schiffes kommen beide in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember in die Niederlande. Sie laufen auf den Häusern der Dächer entlang und Zwarte Piet lässt sich durch die Schornsteine hinab, um die Geschenke abzulegen - daher auch seine rußgeschwärzte Kleidung.
Der Heilige Nikolaus wird auch in Norddeutschland sowie in Belgien und in Österreich stark gefeiert.
 

Heilige Luzia

 
Sainte LucieIn jedem Jahr wird am 13. Dezember in Schweden anlässlich des Lichterfestes die Heilige Luzia gefeiert. Die Legende der Luzia, der heiligen Märtyrerin von Syrakus, reicht wahrscheinlich in das 4. Jahrhunder zurück. Die Geschichte erzählt, dass Luzia von Römern verfolgten Christen half zu überleben, indem sie ihnen Nahrung in ihr Versteck brachte. Um ihren Weg zu erhellen, trug sie auf ihrem Kopf einen Kerzenkranz.
Am 13. Dezember gehen die jungen Schwedinnen - bekleidet mit einem langen weißen Nachthemd und nach dem Vorbild der Heiligen Luzia mit einem Kerzenkranz geschmückt - durch das Haus und bieten ihrer Familie Gebäck an.
Es werden auch Prozessionen zu Ehren der Heiligen Luzia organisiert. Die erste fand im Jahr 1927 statt.
 

Der Weihnachtsmann

 
santa clausDer Weihnachtsmann (Santa Claus im Englischen, Babbo Natale in Norditalien, Mos Craciun in Rumänien...), den wir heutzutage kennen - mit seinem weißen Bart und seinem roten Mantel (einer bekannten Getränkemarke entlehnt) - erschien erst sehr spät in der Volkskunde und stammt aus den angelsächsischen Ländern. Man sagt, der Weihnachtsmann lebt mit seinen getreuen Rentieren im Norden Finnlands. In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember kommt er mit seinem Schlitten, um an artige Kinder Geschenke zu verteilen, indem er sich durch die Schornsteine der Häuser hinablässt.
Diese Person scheint in Frankreich mehrere Vorfahren zu haben, insbesondere in der Savoie den Père Chalande, in der Bourgogne den Père Janvier und im Baskenland den Olenzaro. In erster Linie scheint aber der Heilige Nikolaus die Vorlage für den Weihnachtsmann geliefert zu haben.
 

Sankt Basilius

 
Saint Basile, Marche de Noël Die griechische und zypriotische Tradition kennt keinen Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Mantel, der den Kindern Geschenke bringt. Hier verteilt der Heilige Basilius am 1. Januar die Gaben. Dieser ist eher schmächtig und von schlichter Natur und trägt nur sehr dünne Kleidung. Am Vortag des Heiligen Basilius feiern die Kinder am frühen Morgen dessen Ankunft, gehen zu ihren Nachbarn und erhalten dort Naschereien. Der Basiliuskuchen, in dem eine Geldmünze versteckt ist, wird dann unter der Familie aufgeteilt.
 

Heilige Drei Könige

 
rois magesSo wie der Weihnachtsmann in anderen Ländern, so nehmen in Spanien die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar einen erstrangigen Platz bei den Weihnachtsfeierlichkeiten ein. Am 6. Januar stellen die Kinder ihre Hausschuhe an die Tür oder ans Fenster ihre Hauses. Diese sind mit Wegzehrung für die Heiligen Drei Könige, die aus dem Orient gekommen und von ihrer langen Reise müde sind, und mit Hafer für deren Kamele gefüllt - in der Hoffnung im Austausch dafür Geschenke zu erhalten. Die Heiligen Drei Könige bringen artigen Kindern Spielsachen und ungezogenen Kohle.
In Finnland gilt der Weihnachtsmann der Legende nach als vierter Heiliger König. Da er aber zu weit im Norden des Planeten lebte, um den Stern von Bethlehem sehen zu können, hätte er Bethlehem nie erreichen können, um das Jesuskind zu sehen.
 

Hexe Befana

 
befanaIm Süden Italiens verteilt die Hexe Befana am 6. Januar die Geschenke an die Kinder. Der Legende nach ist die Hexe von den Heiligen Drei Königen über die Geburt Jesu verständigt worden, hat sich aber erst zu spät auf den Weg gemacht und die Spur des Sterns somit verloren. Seither ist sie auf der Suche nach dem Jesuskind und hinterlässt jedem schlafenden Kind ein Geschenk für den Fall, dass es sich um das Jesuskind handelt. Man soll sie vom 5. auf den 6. Januar am nächtlichen Himmel auf ihrem Besen gewahren können - mit einem riesigen Sack voller Geschenke auf dem Rücken.
 
Die Texte dieser Seite sind aus einer Broschüre übernommen, die das Centre d'Information sur les Institutions Européennes und die Stadt Straßburg im Rahmen der französischen EU-Ratspräsidentschaft für den Straßburger Weihnachtsmarkt 2008 hergestellt haben.



Bildnachweise : Stadt Strasbourg – Kommunikationsbüro. Fotografen : G. Engel und JF Badias. Foto der Heiligen Luzia : Bildnachweis : www.imagebank.sweden.se/Swedish Institute/ Jan Tham - Fotos Weihnachtsmann : Bildnachweis : Office of the Finish Tourist Board - Fotos Weihnachtsmarkt: Office du Tourisme de Strasbourg - Foto des Adventskranzes : Office National Autrichien du Tourisme – www.imagesofholland.com Phtographer : NBTC – Illustration : Robert Scouvart – Grafische Gestaltung : Roland Ohlenbusch.
 

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    • 26 Juni 2017

      Internationaler Tag zur Unterstützung der Folteropfer

    • Der internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer ist ein Gedenktag, der am 26. Juni 2016 begangen wird. Im Jahr 1997 wurde er durch die Hauptversammlung der Vereinten Nationen (UN) beschlossen. Er wird auch Tag zur Unterstützung der Opfer der Folter genannt und erinnert an die UN-Antifolterkonvention. Diese trat am 26. Juni 1987 nach Ratifizierung durch 20 Mitgliedsstaaten in Kraft.